Justizzentrum Leoben

Justizbau

Bauherr: Bundesimmobiliengesellschaft mbH, Wien
Nutzer und Mieter: Bundesministerium für Justiz, Wien
Generalplanung: Hohensinn Architektur
BFG: 27.346 m²
NF: 16.962 m²
BRI: 98.151 m³
Baubeginn: 11/2002
Fertigstellung: 11/2004
Baukosten netto: EUR 39,4 Mio.
Errichtungskosten netto: EUR 46,0 Mio.
Fotos: ©Paul Ott, Graz | ©Lachlan Blair ~ LOXPIX, Wien

ULI - Urban Land Institute Award for Excellence 2009: Europe, Middle East and Africa
Geramb-Dankzeichen für gutes Bauen 2006
Architekturpreis des Landes Steiermark 2004

Justizzentrum Leoben

Die Lage und Topografie des Baugrundstückes für das Justizzentrum ergibt schlüssig die Anordnung des Gerichtsgebäudes zur Stadt hin gewandt und dahinter liegend die Justizanstalt. Mit sehr klaren und in ihrer Dimension der Nutzung entsprechenden Baukörpern wird ein städtebauliches Zeichen für die Zentrumserweiterung von Leoben gesetzt. Das Gerichtsgebäude – gleichsam als Schaufassade zur Stadt hin – stellt in seiner Ausführung als offenes, transparentes Bauwerk das neue Selbstverständnis der Justiz dar. Kein „Justizpalast“, sondern eine moderne, offene, lichtdurchflutete, bürgernahe „Servicestelle“. Die Gerichtsstellen – Landesgericht, Staatsanwaltschaft, Bezirksgericht – werden durch die dreigeschossige Erschließungshalle miteinander verbunden. In den darüber liegenden Geschossen befinden sich die zum jeweiligen Gericht gehörenden Büro- und Verwaltungsräume, die durch eigene Baukörper nochmals betont werden. Durch die Doppelfassade im Verwaltungstrakt war es möglich, die innere Haut mit einer Holzoberfläche zu gestalten.

Die Konzeption der mehrfach gesicherten Justizanstalt folgt einer im Vorfeld theoretisch erarbeiteten Grundstruktur: Hinter dem vorgeschalteten Eingangs-, Verwaltungs- und Besucherbereich werden entlang einer Verteilerebene mit übergreifenden Einrichtungen Hafteinheiten nach dem Pavillonsystem gestaffelt, welche sowohl in horizontaler als auch vertikaler Richtung erweiterbar sind. In Leoben wurde dieses System sehr kompakt ausgeführt, wobei wichtigstes organisatorisches und gestalterisches Kriterium die Optimierung der Aufenthaltsqualität für Angestellte und Insassen war. Dabei wurden Lebensumstände geschaffen, die bezüglich der Wohn-, Arbeits- und Freizeitsituation dem Alltag in Freiheit ähneln und Resozialisierungsmaßnahmen bestenfalls überflüssig machen.

Die Hafteinheiten sind wie Wohngemeinschaften angelegt, in denen jeweils bis zu fünfzehn Personen untergebracht sind. Jede Einheit verfügt über Teeküche, Sanitärblock, Gymnastik- und Aufenthaltsraum sowie eine Loggia, welche die interne Bewegungsfreiheit um die Dimension des „ins Freie Tretens“ erweitert. Arbeits- und Freizeiteinrichtungen sind so angelegt, dass sie von den Insassen unbegleitet und selbstständig aufgesucht werden können. Das entlastet die Angestellten und beugt einer völligen Entmündigung vor. Die jeweils einer Abteilung zugeordneten Höfe, der Spaziergarten am Dach und die Sportanlagen sind Filter zwischen Insassen und Mauer bzw. so ausgebildet, dass kein unerlaubter Kontakt nach außen hergestellt werden kann, jedoch stellen auch sie in Dimensionierung und Gestaltung den Menschen in den Mittelpunkt und vervollständigen den Mikrokosmos einer modernen Justizanstalt.

Innenansicht einer Zelle
aufenthaltsraum